Ein Beispiel aus meiner Praxis: Wenn Frust entsteht – obwohl niemand etwas falsch macht

Ich habe ein Konstruktionsteam begleitet.

Der Auftrag war klar:
Das Projektmanagement sollte strukturierter und verbindlicher werden.

Doch in der Zusammenarbeit zeigte sich schnell etwas anderes:

Die Kommunikation wurde knapper.
Zurückhaltender.
Teilweise blieb es still.

Die Führungskraft stellte viele Fragen.
Versuchte, das Gespräch in Bewegung zu bringen.

Und gleichzeitig passierte etwas Auffälliges:

Je mehr sie tat,
desto weniger kam zurück.

Und genau das war der Moment, der stutzig macht.

Ein wichtiges Signal

Und während ich das beobachtete, fiel mir noch etwas anderes auf:

Ich ging innerlich nach vorne.

Vielleicht auch, weil ich selbst lange im Projektmanagement gearbeitet habe.

Ich kenne diesen Impuls gut:

Nachfragen.
Struktur geben.
Bewegung erzeugen.

Genau das machte die Führungskraft.

Doch die Dynamik blieb:

Je mehr Energie hineinging,
desto weniger kam zurück.

Der Moment, in dem sich etwas drehte

Ich lehnte mich innerlich zurück.

Nicht, weil ich aufgegeben habe –
sondern weil ich angefangen habe, anders hinzuschauen.

Weg von den Antworten.
Hin zu dem, was zwischen den Beteiligten passiert.

Die Frage wurde:

Was passiert hier eigentlich gerade im System?

Und was bedeutet es,
dass so viel Energie hineingegeben wird –
aber kaum etwas zurückkommt?

Der Aha-Moment

Ich sprach es offen an: „Wofür steht dieses Schweigen hier?“

Dann wurde es richtig still. Die berühmte Stecknadel konnte ich aufprallen hören.

Dann kam eine erste vorsichtige Bewegung. Und plötzlich war klar, worum es eigentlich geht

Ein Teammitglied formulierte es schließlich sehr klar: Frühere Vorschläge waren mehrfach eingebracht worden –und immer wieder versandet. Ohne echte Rückmeldung. Ohne Wirkung.

Wenn man das einmal sichtbar macht, sieht es so aus:

Beide Seiten haben ein ähnliches Bedürfnis: Die Führungskraft: „Ich will, dass Verantwortung übernommen wird. “ Das Team: „Ich will gehört und ernst genommen werden. Und genau hier beginnt die Dynamik.“

Führung beginnt bei Selbstführung

Schwierige Mitarbeitersituationen lassen sich nicht immer sofort lösen. Aber sie lassen sich besser verstehen. Und genau darin liegt der erste Schritt: Nicht alles tragen zu müssen.

Nicht alles kontrollieren zu müssen.

Und dennoch handlungsfähig zu bleiben.

Einladung zur Reflexion

Mal ehrlich:

Will ich als Führungskraft wirklich sehen, dass solche Situationen auch etwas mit mir zu tun haben?

Wahrscheinlich nicht sofort.

Genau an dieser Stelle entscheidet sich oft, ob sich etwas verändert – oder ob alles beim Alten bleibt.

Im nächsten Artikel geht es um : Selbstführung unter Druck – klar entscheiden in schwierigen Situationen

In meiner Arbeit als Supervisor, Berater und Coach begleite ich Menschen, die Verantwortung tragen und auch unter Druck klarer denken und entscheiden möchten.

Orientierung und neue Handlungsmöglichkeiten

Praxisweg ist ein Raum für Reflexion, Orientierung und neue Handlungsmöglichkeiten – draußen in der Natur oder im persönlichen Gespräch. Gerade in Phasen hoher Belastung kann es hilfreich sein, Gedanken zu sortieren, innere Muster zu verstehen und wieder Zugang zur eigenen Klarheit zu finden.

Wenn du merkst, dass dich bestimmte Situationen immer wieder unter Druck bringen und du dir mehr Klarheit im Umgang damit wünschst, kann es hilfreich sein, einen Moment anzuhalten und genauer hinzuschauen.

In meiner Arbeit begleite ich Menschen dabei, ihre eigenen Muster besser zu verstehen, wieder Zugang zu ihrer inneren Klarheit zu finden und Entscheidungen zu treffen, die sich stimmig anfühlen.

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