Franziskusweg

Von Florenz nach Assisi

13.9.22 Bergisches Land, Wipperfürth

Man, bin ich aufgeregt. Mein Bauch fährt Achterbahn und mein Kopf versucht irgendwie einen Anker zu setzen.

Letzten Mittwoch sah das noch ganz anders aus. Dörte und ich saßen abends  zusammen und reflektierten die Pilgerbörse in Frankfurt. Was für eine coole Veranstaltung.

Der Mosel - Camino  hat nicht genug Teilnehmer-innen gefunden und so tat sich ein zwei Wochen Fenster Zeit auf. Der Küstenweg Camino del Nort für April 2022 ist schon fast komplett, 1 Platz ist noch frei. Der braucht mich jetzt auch erst mal nicht.

Und ein  Reisemagazin über Assisi liegt auf unserem Tisch.

Sitze nun im Bus nach Florenz zum Franziskusweg. Der Franziskusweg ist 535 Kilometer lang, führt über Assisi nach Rom und hat für 28 Tage Etappen zur Verfügung. Da er auch noch 16.100 Aufstiegmeter und 16.300 Abstiegsmeter sein eigen nennt, empfehle ich doch mindesten eine Woche mehr einzuplanen und an ausgesuchten Plätzen Pausen einzuplanen. Für mich ist dieser Weg ein langgehegter Traum. Ursprünglich wollte ich Ihn mit meiner Frau Dörte  zusammen gehen. Corona und andere Umstände haben das aber bis heute verhindert.

14.9.22 Ankunft Florenz – Pontassieve (anspruchsvoll) 23,5 km (Aufstieg 517 m, Abstieg 466m)

Florenz hat es in sich. Vielleicht war es auch der fehlende Schlaf im FlixBus. Egal wie ich mich auf meinem Sitz drehte, irgendetwas von mir passte nicht drauf und musste irgendwie verstaut werden. Und dann, nachdem ich gestern mir noch München angesehen hatte kam heute ab 9 Uhr Florenz dran, mit all seinen toskanischen Flair. Wahnsinn. Eine quirlige Stadt. Start war dort  ein ordentlicher Espresso an der Basilika , der mich nach einigen Erkundungen der Altstadt die erste Berge hoch brachte. Fantastisch, die Ausblicke, obwohl heute noch der Flache Teil des Weges dran war. Pontassieve ist mein Ziel, nach 23 Kilometer und 300 Höhenmeter. Fazit des Tages: Schöner Einstieg in den Ausstieg. Und. Das letzte Zimmer am Ort bekommen. Prima:-)

15.9.22 Pontasieve – Passo della Consuma 17,6 km

(Aufstieg 1045m , Abstieg 92 m)

Unterkünfte sind auf diesem Weg nur mit viel Vertrauen zu bekommen. Für die erste Nacht in Pontassieve brauchte es eine Stornierung um ein Zimmer zu bekommen und für den heutigen Schlafplatz ein zusammenrücken von einem weiteren Pilger. Der heißt Rainer und liegt quasi jetzt neben mir. Sehr nett. Gestern Franz (69J) mit seiner Frau Bianca kennengelernt. Zwei Pilgerprofis aus Bayern, die schon von München nach Santiago de Compostela gepilgert sind. Sie haben mich prompt zum Essen eingeladen. Herzlichen Dank an die Beiden und an die Küche. Sie hat wundervolles geleistet.

Je länger ich auf diesem Weg unterwegs bin, desto mehr kommt das Thema Beziehung in den Fokus. Jeder Weg hat ja so seins, meiner Meinung nach. Und hier ist es die Beziehung zwischen Mann und Frau, bisher ohne Sternchen. Das erste Pärchen was ich kennenlernen durfte hat auf den spanischen Camino geheiratet. Nur die beiden, mit dem Trauspruch und dem Ringtausch. Gänsehaut. Und sie konnten diese Zeremonie anschließend in ihrer Gemeinde beglaubigen lassen und das gilt nun als eine offizielle Eheschließung.

Und das zweite Paar, jetzt kommt’s …, geht getrennt los, einer in Rom und einer in Florenz und wollen sich auf der Hälfte treffen. Super toll, jeder geht dein Weg und in Assisi ist das Gemeinsame. Wunderbar.

Die Etappen mit ihren Höhenmetern entpuppten sich als gut gebar. Die Landschaft ist auf allen Ebenen einladend und ich liebe ja diese toskanischen Häuser mit den Gärten und natürlich die tollen Zypressen.

Walkingstöcke sind auf diesen Weg unverzichtbar. Bei der Montage gestern bemerkte ich dass ein Span Clip verloren gegangen war und ich suchte nach der ersten Steigung nach einen geeigneten Ersatz. Ein kleiner Stein kam mir in den Blick und mit etwas Druck fügte er sich in die kleine Aussparung. Das Thema ist erst mal gelöst.

16.09.22 Passo della Consuma – Stia 16,6 km (Aufstieg 362m, Abstieg 983m)

Schnell tauche ich in diesen Weg ein. Den Menschen, denen ich hier begegne, haben alle so ihre eigenen Geschichten und gehen mit großen Respekt diesen Weg. Eine holländische Gruppe wurde von mir gesichtet, ich konnte aber noch nicht erkennen, ob diese auch am Pilgern sind.

Die Einheimischen sind sehr zuvorkommend uns Pilgys gegenüber und lassen uns an ihrer Kultur teilnehmen. In Villa, einen kleinen Dorf bekam ich die örtliche Kirche aufgeschlossen. Sie ist über tausend Jahre alt und dem Jakobus gewidmet. Ein Fingernagel von Jakobus  ist in einem Kreuz aufgenommen. Und wie ich wahrnehmen konnte, ist diese kleine Kirche ein Kraftort.

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