Camino Arragonese

...im Mai 2013 auf den Camino Aragonese in den Pyrenäen. Es war mein zehnter Pilgertag, der zu Ende ging. Die Berge mit ihrem weißen Puderzuckerschnee und darunter die Wiesen mit Millionen von Mohnblumen lagen schon hinter mir. Ein mystischer Jakobsweg, durch uralte Dörfer, gelegen auf den Bergen und dazwischen weite Wiesen und Felder mit Schafherden, deren klingeln ich von weiten hören konnte. Es war warm und die Sonne und der Wind streichelten mein Gesicht.
Mein Körper meldete sich regelmäßig. Die Hüfte schmerzte durch die ungewohnte Belastung des Rucksacks und ich hatte mir eine üble Venenentzündung durch meine Wanderschuhe zugezogen. Diese versuchte ich durch Abkleben zu behandeln, teilweise ging ich auch stundenweise mit meinen leichten Laufschuhen.

Dann passierte etwas. Ich befand mich nun einige Tagesreisen vor dem Ende des Camino Aragonese. Ich beschloss nicht mehr weiter zu gehen. Mir kam der Gedanke, dass mein Weg hier in Spanien auch bald enden würde, wenn ich so weiter machte. Und das war keine Option für mich. Zurückgehen, ich probierte es aus, das fühlte sich auch nicht gut an. Weiter gehen, nach vorne, in die Zukunft, das bedeutet für mich wieder irgendwann Abschied nehmen. Auch das kam nicht in Frage. Was nun tun? Ich entschloss mich am Wegesrand nieder zu setzen und einfach da zu bleiben. Das schien mir eine gute Lösung. Es war schon nach Mittag und ich wurde langsam versöhnlich mit meiner Entscheidung, einfach sitzen zu bleiben. Ich genoss den Augenblick. Machte einige Fotos und dachte nach.

Irgendetwas tat sich auf einmal. Ich fühlte ein jucken an den Beinen und manchmal piekst auch etwas. Das war ok. Ich hatte ja schon einige Kilometer hinter mir, es war sehr warm, da kann das so sein. Das Jucken und Pieken breitet sich aus und ich wehrte mich mit kratzen und reiben. Ich wollte auf jeden Fall hier sitzen bleiben. Mutter Natur war anderer Meinung. Bei ihr geht es immer weiter. Der Planet dreht sich, unablässig. Und so kam ich mit der Erddrehung wieder in Schwung als ich bemerkte dass meine Hände voller Ameisen waren. Ich saß in Ihrem Zuhause, und das war der Wink des Weges für mich ganz persönlich.

„Stefan, geh weiter, mach Deinen Weg“.

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